Post von drinnen II: Will der Staatsschutz Jörg im Geschlossenen sehen?

Dass man beim Staatschutz Gießen auf Jörg nicht gut zu sprechen ist, darf als gesichert gelten. Und dass man dort nicht unglücklich ist über seine Inhaftierung, ebenso. Nachdem Jörg nun seit einer Woche im offenen Vollzug sitzt, gibt es Hinweise darauf, dass der Staatschutz daran arbeitet, den Projektwerkstättler in den Geschlossenen zu befördern. Und in einer Stadt, wo eine Gedichteleseung zum Brandanschlag mutiert, wo Federball spielende Menschen in Unterbindungsgewahrsam wandern – scheint Jörg’s Befürchtung durchaus im Bereich des Möglichen zu liegen. Jörg schreibt:

Schock um 11.00: Der Staatsschutz Gießen schießt ins Geschehen – gerade mal 5 Tag bin ich hier, da versucht er das erste Mal, mich „abzuschießen“. Ich kassiere eine Strafanzeige wegen Sachbeschädigung, Hausfriedensbruch, Widerstand und noch irgendwas. Am 4. und 6.9. in Üpplingen. Der Bereichsleiter lädt mich zu sich und wir diskutieren ziemlich viel – über falsche Anzeigen, die mich in den geschlossenen Vollzug bringen würden, und das Interesse des Staatsschutzes daran. Schließlich diskutieren wir sogar über Sinn und Unsinn von Knast („wenn Ihre Tochter missbraucht wird“, war das übliche erste Gegenargument). Aber der Bereichsleiter blieb der Meinung: Eine Strafanzeige während meiner Haftzeit, und er könne da auch nichts machen. Diesmal also würde jede Lüge des Staatsschutzes das volle Einsperren bewirken. […]

Dann ist Mittag (immer um 11.45 außer Sa/So, da um 11.30) und ich lerne jemand Neues kennen. Die Inhaftierten sitzen seltsam getrennt voneinander – aber so kann ich mich immer dazusetzen und Neue kennenlernen. Für 20 Minuten. Dann ist wieder Alleinsein für den Rest des Tages angesagt – nun, seit dem 11-Uhr-Vorgang doch in beunruhigender Ahnungslosigkeit, was hinter den Kulissen abläuft. Ob es sich morgen überhaupt klärt, ganz vorbei ist oder die Beamten hier nur ein ganz vorsichtiges Modell wählen, bei dem ich kaum handlungsfähig wäre?

Ich weiß es nicht – genauso wenig, wie ich weiß, was anderswo gerade passiert. Heute war Prozessauftakt gegen die 6 FeldbefreierInnen von Gatersleben. Werden sie Mut haben, sich offensiv zu verteidigen? Obder werden AnwältInnen und NGOs ihr Ding machen – die AktivistInnen entmündigend oder benutzend? Was wird das Gericht zulassen und was lässt sich erkämpfen? 1000 Fragen zu dem Prozess, der unserem in Gießen – wegen dem ich ja 6 Monate inhaftiert bin – der ähnlichste aller Feldbefreiungsprozesse ist. Insofern ist auch der Strafrahmen wie in Gießen offen – denn hier gab es ja 2x Einstellung, 1x vier Monate auf Bewährung und einmal 6 Monate ohne Bewährung. Immer für genau dieselbe Handlung. Ich drücke von hier aus die Daumen in vielerlei Hinsicht und freue mich auf Nachrichten.

Jörg

Jörg Bergstedt
Justizvollzugsanstalt Gießen
– offener Vollzug –
Gutfleischstr. 6
35390 Gießen

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