Halbe-halbe …?

In einem Brief, der am 27.09.2010 ankam, schreibt Jörg:

Ich kann noch ein Weilchen nicht hier raus. Aber die Gespräche heute hier mit Zuständigen im Knast zeigten doch eher, dass ganz so automatisch es nichts wird mit dem Bemühen des Staatsschutzes, mich hier „abzuschießen“. Erstmal ist ein Plan am Horizont erkennbar, der morgen in der Konferenz (wurde jetzt doch auf Donnerstag gelegt) zur Diskussion gestellt wird und ungefähr so ausfallen wird: 1/2-Tagsjob im Knast, 1/2-Tagsjob darf ich dann – hoffentlich draußen – Buch schreiben, ca. 25 – 35 Stunden pro Woche habe ich zudem zur freien Verfügung (auch draußen). Und für den Rest bekomme ich „meinen“ Laptop auf die „Zelle“ (also das Zimmer im offenen Vollzug).

Das nutze ich mal aus für eine Anfrage: Der Projektwerkstatts-Laptop ist schon viel gereist und müde (etliche Wackelkontakte). Wer kann einen neuen (gebrauchten) ab Pentium IV abgeben oder spenden???

Wenn das so zustande kommt, würde ich mir in Gießen einen Arbeitsplatz einrichten und dann die Buchprojekte gut schaffen, die ich mir ja für die absehbare Knastphase so überlegt hatte: Zunächst das „Monsanto auf Deutsch“ fertig layouten, zusammenfügen und dann in Druck bringen. Parallel dann textlich vorbereiten und schließlich schreiben: Eine neue und stark überarbeitete Auflage von „Freie Menschen in freien Vereinbarungen“ (zusammen, wie damals, mit Annette Schlemm und Stefan Meretz). Außerdem neu in der Reihe „Scharfzeichner“ das zweite Buch nach „Demokratie“, Arbeitstitel jetzt: Anarchie. Anspruch und Wirklichkeit zwischen Label, Lifestyle und Lebensabschnittsideologie. Eine Aufklärung“. […]

„Sie sind hier eigentlich falsch“, sagte ein Beamter hier heute. Zwar hat er da den politischen Sinn von „Überwachen und Strafen“ (Buch von Foucault) nicht richtig überlegt. Aber es war nett gemeint. Danke an Euch BriefschreiberInnen, alle, die draußen für mich unbemerkt was helfen, der heute und jetzt gerade ins Fenster scheinenden Sonne und all denen, die gestern, heute, morgen oder irgendwann und immer wieder anstinken gegen eine Welt, die einfach besser geht.

Aus Zimmer 143 mit Ausblick auf den Hauptknast grüßt alle
Jörg

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