Zwischennachrichten

Ich fange mal wieder mit einer Meldung aus der Zeitung an. Da wurde doch die Behandlung des mutmaßlichen Wikileaks-Informanten in der US-Haft als Folter bezeichnet: Nämlich, dass er 23 Stunden auf der Zelle sitzen muss. Das hat in mehreren, auch in deutschen Zeitungen so gestanden. Nicht dass ich die Inhaftierung gut heiße (das tue ich bei niemandem) – aber 23 Stunde auf Zelle ist das Übliche. Dann ist jeder Knast in Deutschland Folter (was ja durchaus auch so stimmen mag – allerdings müsste dann ein neuer Begriff für die Steigerung her, was bisher Folter beinhaltete).

Hier im Knast gibt es auch was Neues, auch wenn es mich nicht mehr betreffen wird: Ab 1. April (da werde ich schon ein paar Tage wieder draußen sein) müssen Gefangene, wenn sie im Knast einen Arztbesuch machen, 5 Euro zahlen. Also Praxisgebühr jetzt auch für Knackies – das Geld wird geräuschlos vom internen Konto abgebucht.

Freie Menschen in Freien Vereinbarungen – wer diskutiert mit?
Nach „Monsanto auf Deutsch“ arbeite ich jetzt während meines Knastaufenthaltes intensiv am nächsten Werk. Hier geht es nicht um die Fertigstellung des schon weit fortgeschrittenen Buches (wie beim ersten, dass ja inzwischen gedruckt vorliegt), sondern bei „Freie Menschen in Freien Vereinbarungen“ schreibe ich gerade erst an den Texten. Das heißt, dieses Buch wird nicht während meines Knastaufenthaltes schon in Druck gehen, sondern soll ganz im Gegenteil nach der Textentwurfsphase erstmal in einer Debattenrunde gehen.
Und dafür möchte ich Euch sehr herzlich einladen: Diskutiert mit an der zweiten Auflage von „Freie Menschen in Freien Vereinbarungen“!!! Die Texte sind im Internet zu finden. Einen Überblick gewinnt Ihr über die Gliederung mit den Links zu den Kapiteln und einer kleinen Anleitung, was jeweils zum Buch werden kann und soll. Ihr könnt:

  • Die Texte ausdrucken, lesen und mir mit Anmerkungen, Ergänzungen, Widerspruch usw. zuschicken.
  • Mit den Texten oder Teilen davon Workshops, Diskussionsrunden und mehr anzetteln, um dann die Ergebnisse zu sammeln und an mich zu schicken.
  • Diskussionsforen u.ä. auch im Internet einrichten, um die Texte dort zu diskutieren und/oder zu überarbeiten.
  • Eigene Texte und Vorschläge verfassen und zuschicken.
  • Das Glossar direkt überarbeiten, ergänzen usw. (es ist dafür auf OpenTheory angelegt)

Wir können auch gern Veranstaltungen verabreden, wo ich die Grundzüge der Ideen vorstelle und damit eine Debatte gestartet oder weitergeführt werden kann.

Als Zeitraum würde ich ab sofort bis Herbst 2011 (z.B. 31. Oktober) vorschlagen – danach würde ich das Buch dann layouten und in Druck geben mit an den Änderungen, Anregungen usw.

Mal wieder vors Verfassungsgericht …
Kurz zur Erinnerung: Am 13.12. wurde ich als Strafverteidiger aus dem Verfahren gegen Cécile Lecomte in Dannenberg geworfen – mit frei erfundenen Vorwürfen. Die Beschwerde dagegen wurde nun vom Landgericht Lüneburg abgelehnt. Viel Mühe haben die sich nicht gemacht. Das Schreiben lautet in der Begründung: „Die Staatsanwaltschaft hat … ausgeführt:“ Dann kommt das Schreiben der Staatsanwaltschaft einfach reinkopiert. Und dann folgt: „Dem schließt sich die Kammer an“. Jau super. Da hat ja mal jemand richtig beide Seiten gleichberechtigt zur Kenntnis genommen. Zu meinen Ausführungen und den Beweisen, dass der Ablauf gar nicht so gewesen sein kann (z.B. anhand des Gerichtsprotokoll) schweigt das Landgericht.
Zu befürchten ist, dass das Verfassungsgericht auch wieder ablehnen wird. Denn was alle RichterInnen dieses Landes nicht mögen, ist dass Allmacht im Gerichtssaal in Frage gestellt ist. Politisch ist es umso wichtiger, gegen diese Diktatur in Robe handlungsfähigkeit zu werden. Deshalb noch mal die herzliche Einladung, Trainings zur Selbstverteidigung von Gericht zu besuchen, anzubieten und ein Netzwerk von LaienverteidigerInnen zu bilden. Mehr unter www.laienverteidigung.de.vu.

So … und zum Abschluss noch ein Prost:
15 Jahre haben wir drauf gewartet – und jetzt ist sie da: Die Baugenehmigung für die Umbauten und Wiederinbetriebnahme der Projektwerkstatt in Saasen. Jetzt also kann es losgehen, das neue Eingangstreppenhaus zu bauen, die Seminarräume neu zu gestalten und an das Treppenhaus anzuschließen.
Das sollte doch die Bauwochenenden beflügeln – das nächste ist Sa/So, 22./23.1. (für alle, die nicht zur Landwirtschaftsdemo nach Berlin fahren … ich kann das ja als Gefangener ohnehin nicht, weil mir die Reise aus solch einem Grunde verwehrt würde). Weitere Wochenenden (immer Start am Samstag um 9 Uhr in Saasen) können abgesprochen werden. Dafür nehme ich gerne Wünsche entgegen und plane meine verbleibenden Knasturlaube entsprechend ein. Die Tageslichtphase ist jeweils fürs Bauen, danach bleibt auch noch Zeit fürs Diskutieren, Planen, Wühlen in Archiven und Bibliotheken. Ich muss Sonntag kurz nach 20 Uhr dann wieder jeweils gen Gießen radeln, um weiter als Gefangener der BRD mein Dasein zu fristen.

Für die jetzt direkt anstehenden Bauarbeiten suchen wir noch eineN BauleiterIn. Die muss nicht ständig dabei sein, aber doch gegenüber dem Bauamt dafür sorgen, dass das, was gebaut wird, auch hält. Voraussetzung: Zimmermann/frau- oder MaurermeisterIn, BauingenieurIn oder ArchitektIn. Wer könnte das machen?
Außerdem ist noch mindestens einmal ein Schweißeinsatz nötig. Wer kann das machen oder uns ein Schweißgerät leihen bzw. spenden?
Daneben brauchen wir für die jetzt anstehenden Bauarbeiten noch Baumaterialien, nämlich: Gitterroste oder betretbare Glasflächen (mindestens 1 Meter lang), Doppelglasfenster oder –türen (der Flügel reicht, also äußerer Rahmen nicht nötig) von 40-60cm Breite, ein runder oder ovaler stabiler Tisch (1,20 bis 2m Durchmesser).
Unsere gesamte Suchliste für Sachspenden befindet sich unter www.projektwerkstatt.de/gesucht.

3 comments to Zwischennachrichten

  • Torsten Loeffel

    Hallo Joerg,
    ich fahre am Samstag nach Berlin zur Demo. Danach wuerde ich gerne bei Euch in Saasen vorbeikommen, um Euch am Sonntag bei den Bauarbeiten zu unterstuetzen. Bis wann muesste ich spaetestens Samstagabend da sein.

    herzliche Gruesse
    Torsten

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  • Torsten Loeffel

    Ich hoffe die mail ist bei Euch angekommen.

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  • Wolfgang

    Ein interessanter Blog. Hat jemand bei Dir im Knast eigentlich schon mal das Buch „Eine friedliche Männlichkeit leben. Briefe für Häftlinge und Hanftentlassene.“ von Peter Redvoort gelesen?

    Alles Gute!

    Wolfgang

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