Die letzten 7 Tage …

Am 22.3. ist Schluss … irgendwann im Laufe des Vormittags. Das ist nicht genau abschätzbar, weil mensch einen langen Marschen durch die Knasthierarchien antreten und überall eine Unterschrift einsammeln muss, die bestätigt, dass der jeweilige Entlassungs-Teilvorgang erledigt ist.
Während dieser verbleibenden Tage werde ich weiter werktäglich schreiben, ich bin am letzten Kapitel des dritten Buches (siehe www.anarchie-debatte.de.vu) – der Countdown läuft also, alles genau zeitlich passend fertig zu stellen. Zugegeben: Mit letzter Kraft, denn Knast ist das ungefähr Falscheste, was für kreatives Schreiben den Rahmen bilden könnte. Monoton, langweilig. Aber er ist nicht nur dafür das Falscheste, was Menschen sich ausdenken können. Brrrr … über 74.000 Menschen werden allein in Deutschland in Knästen verschlossen bleiben, wenn ich am Dienstag rauskann.

Erschrocken habe ich festgestellt, dass zum 18.3. mal wieder nur für die Freiheit der politischen Gefangenen geworben werden soll. Das sind in Deutschland angesichts der trostlos rechtstreuen Opposition ja nicht viele. Mit der Forderung nach Freilassung von ca. 0,02 Prozent der Gefangenen sind die Organisationen und Gruppen, die hinter dem Tag der politischen Gefangenen stehen, doch eher etwas zurückhaltend. Außerdem wird da gut zensiert. So hab ich mich nicht gewundert, als ich meinen Namen auf der Liste der politischen Gefangenen in Deutschland nicht fand. Das ist aber irgendwie auch konsequent, wie in einem Text auf Indymedia gut analysiert wird: http://de.indymedia.org/2011/03/302627.shtml.

Irgendwie werden die letzten sieben Tage auch noch herum gehen.
Am Donnerstag nachmittag will ich eine Radtour machen, um FreundInnen zu besuchen, und am Samstag noch einmal in die Projektwerkstatt radeln. Freitag, Sonntag und Montag bin ich nochmal in mit Ausgangsstunden unterwegs, um Emails zu lesen und zu schreiben, zu telefonieren oder mich mit Leuten zu treffen.
Die von linken Gruppen geplante Veranstaltung am 20.3. in Gießen zu „Fiese Tricks von Polizei und Justiz“ fällt aus. Der Wahlkampf (in Form der großen Konkurrenzschlacht um die Sessel im Gießener Stadtparlament) zieht mal wieder alle Power ab …

Dann, nach dem 22.3. soll mehr Bewegung ins Leben kommen – zum einen Werkeln an der Projektwerkstatt, dann Aktionen und auch wieder Veranstaltungstouren. Hier der aktuelle Terminplan:

29.3., 9 Uhr vor dem Amtsgericht Rüsselsheim: Strafprozess wegen Baumbesetzung Kelsterbacher Wald (gegen Flughafen)

Abends (20 Uhr) im JUZ Rüsselsheim (Hügelstr. 11): Ton-Bilder-Schau „Fiese Tricks von Polizei und Justiz“
„Die Vorwürfe klingen ungeheuerlich: Polizisten basteln einen Brandsatz oder fertigen Gipsabdrücke selbst an, um Beweismittel zu haben. Beweisvideos und -fotos verschwinden, Falschaussagen werden gedeckt, Observationen verschwiegen, um Straftaten erfinden zu können. Alles Hirngespinste von Verschwörungstheoretikern? Offenbar nicht.“ (ddp am 22.11.2007, 10.26 Uhr)
Eine Bühnenschau wie ein Bond-Film – und die Polizei- und Gerichtsakten belegen alles: Verfolgung wegen Graffitis, die es nie gab. Inszenierte Falschaussagen durch Polizei- und Gerichtsbeamte. Geheime Observationen, die vertuscht werden, um Straftaten zu erfinden. Staunen über die Dreistigkeit der Staatsmacht. Kopfschütteln über uniformierte Dummheit, Entsetzen über die Rolle des damaligen hessischen Innenministers und heutigen Ministerpräsidenten Volker Bouffier. Auch der inzwischen im hessischen Landtag diskutierte Fall einer Festnahme trotz Observation an anderer Stelle ist Teil der Darstellungen.

8.-10.4. in Mannheim: Anarchistische Buchmesse. Im Programm unter anderem:

  • Samstag 11.30 Uhr, Raum 2: „Radikal Mutig“, Lesung mit Hanna Poddig
  • Samstag 14.30 Uhr, Raum 1: „Kritik an Knast und Strafe – von einem frisch Entlassenen“, Vortrag mit Jörg Bergstedt
  • Sonntag 14.30 Uhr, Raum 1: „Anarchie – ein Update ist nötig!“, Thesen zu einem noch nicht veröffentlichten Buch mit Jörg Bergstedt

11. April 13:00 Uhr, Amtsgericht Tiergarten, Raum 768: Prozess wegen Nötigung bei den Aktionstagen gegen Gentechnik, Berlin, BMBF. Dort hatten sich zwei Personen im Eingang festgekettet – Ministerin Annette Schavan verzichtete aus Sicherheitsgründen auf ihren Arbeitstag im Ministerium, obwohl ein zweiter Eingang schnell freigeräumt war. Die Justiz als Instrument der Herrschenden kann das natürlich nicht durchgehen lassen …

Montag, 11.04.2011 um 19 Uhr im Alarmraum in Offenburg: Vortrag und Diskussion zu „Strafe und Zwang“

Dienstag, 12.04.2011, 19.30 Uhr im Caracol in Bühl: Ton-Bilder-Schau „Monsanto auf Deutsch – Seilschaften zwischen Behörden, Forschung und Gentechnikkonzernen“
Kennen Sie Filme oder Bücher über Monsanto? Immer wieder wird einen intensiver Filz zwischen Konzern und Aufsichtsbehörden aufgedeckt. Doch St. Louis, der Firmensitz des Round-up- und Agent-Orange-Herstellers, ist weit weg. Wie aber sieht es in Deutschland aus? Warum werden hier Jahr für Jahr immer neue Felder angelegt, obwohl 80 Prozent der Menschen keine Gentechnik im Essen wollen? Warum fließen Steuergelder auch dieser 80 Prozent fast nur noch in die Gentechnik, wenn es um landwirtschaftliche Forschung geht? Der Blick hinter die Kulissen der Gentechnik mit ihren mafiosen Strukturen und skandalösen Zustände bei Genehmigungen und Geldvergabe bietet eine erschütternde Erklärung, warum die überwältigende Ablehnung und der gesetzlich eigentlich vorhandene Schutz gentechnikfreier Landwirtschaft (einschließlich Imkerei) gegenüber der grünen Gentechnik so wenig Wirkung hat. Denn: In den vergangenen Jahrzehnten sind alle relevanten Posten in Genehmigungsbehörden, Bundesfachanstalten und geldvergebenden Ministerien mit GentechnikbefürworterInnen besetzt worden. Die meisten von ihnen sind direkt in die Gentechnikkonzerne eingebunden. Mafiose Geflechte von Kleinstunternehmen und seltsamen Biotechnologieparks names Biotechfarm oder Agrobiotechnikum sind entstanden, zwischen denen Aufträge und Gelder erst veruntreut und dann hin- und hergeschoben werden, bis sich ihre Spur auf den Konten der Beteiligten verliert. Es wird Zeit für einen Widerstand an den Orten der Seilschaften.
In der Veranstaltung werden minutiös die Seilschaften zwischen Behörden, staatlicher und privater Forschung, Konzernen und Lobbyorganisationen durchleuchtet. Jeweils eine Firma (BioOK), eine Behörde (BVL = Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit), das wichtigste Forschungszentrum AgroBioTechnikum (nahe Rostock) und der Lobbyverband InnoPlanta mit den jeweiligen Firmengeflechten werden vorgestellt. Am Beispiel eines kleinen Versuchsfeldes zeigt sich: Deutsche Genfelder sind nichts als Fördermittelbetrug, Schlamperei und der Wille, die Auskreuzung aktiv herbeizuführen.
Um die Wut zu Entschlossenheit statt zur Ohnmacht zu wenden, bildet ein Ausblick auf Möglichkeiten des Widerstandes den Abschluss: „Wer nach mehr Forschung ruft oder sich auf staatliche Stellen verlässt, ist verlassen. Gentechnikfreiheit gibt es nur dann, wenn die 80 Prozent Ablehnung sich auch zeigen!“.
Der Referent, Jörg Bergstedt, ist Aktivist und Autor des Buches „Monsanto auf Deutsch“, in dem die Gentechnik-Seilschaften beschrieben werden.

Mittwoch, 13.04.2011, ca. 19 Uhr in Lahr im asj eleu: Vortrag und Diskussion zu „Strafe und Zwang“ (siehe 11.4.).

Do, 14. April, 19.30 Uhr in Ludwigshafen (Gewerkschaftshaus/verdi.-Haus, Kaiser-Wilhem-Str. 7): Vortrag „Gentechnik-Seilschaften in Deutschland: Ein Blick hinter die Kulissen von BASF&Co.“ (Ref. Jörg Bergstedt mit einer auf BASF abgestimmten Fassung der Ton-Bilder-Schau „Monsanto auf Deutsch“ (s. 13.4.)
In der Veranstaltung werden minutiös die Seilschaften zwischen Behörden, staatlicher und privater Forschung, Konzernen und Lobbyorganisationen durchleuchtet. In der Stadt des Chemiekonzerns BASF sollen dessen Verwicklungen immer besonders genannt werden: Zusammen mit Bayer und der KWS bildet die BASF die deutschen Global Player, intensiv verstrickt mit Politik und Forschung.

16.4.-22.4.2011 Workshopwoche (als Teil des Grundkurses, siehe oben)
und 22.-24.4.2011 Training Direct Action (Einzelanmeldungen möglich). Ort: Projektwerkstatt (in Reiskirchen-Saasen). Mehr oben im Kasten!

30.4. um 15 Uhr in Sagerheide (östlich Rostock): Informationsspaziergang am Genversuchs“garten“ (nahe AgroBioTechnikum)
anschl. 18.30 Uhr in Teschendorf bei BioFrisch: Vortrag und Diskussion zu Gentechnikkritik – Rückblick 2010 und Ausblick 2011 (beides mit Jörg Bergstedt, Autor „Monsanto auf Deutsch“)

Mai 2011: Startschuss für das LaienverteidigerInnen-Netzwerk im Mai
Eine Sache ist fest geplant – nämlich ein Training für alle, die sich besser vor Gericht verteidigen und den WahrheitsfinderInnen im autoritären Gewand und Auftrag herrschender Interessen mehr entgegensetzen zu können als das übliche Eingeschüchtertsein, was die absurde Kulisse im Gerichtssaal ja auch herbeiführen soll.
Danach dann lade ich alle ein, die ein solches Training schon mal besucht haben und auch schon mal ein Gerichtsverfahren besucht haben (ansonsten besteht dazu noch mal Gelegenheit am Tag nach dem Training), mit nachzudenken über ein Netzwerk von LaienverteidigerInnen, d.h. wir verteidigen uns nicht nur selbst, sondern auch gegenseitig. Das darf mensch nämlich auch ohne Anwaltszulassung – bei Nachweis entsprechender Rechtskunde. Wie wir uns das organisieren und dann kooperieren, dass soll alles besprochen werden. Abschluss ist eine Schulung für alle, die dann als LaienverteidigerInnen sich gegenseitig und anderen helfen wollen.
Infoseite: www.laienverteidigung.de.vu

Die Termine:
6.-8. Mai (Beginn: Freitag, 20 Uhr): Grundtraining offensive Prozessführung
Für alle, die sich selbst verteidigen wollen, und auch für die, die darauf aufbauend mehr mitmischen wollen.
Für EinsteigerInnen geeignet, es ist auch möglich. (9. Mai: Gerichtsprozesse angucken in Gießen)

10.-12. Mai (Beginn: Dienstag, 20 Uhr): Vernetzungs- und Planungstreffen
zum Aufbau eines LaienverteidigerInnennetzwerkes. Konzeption der Schulungen für LaienverteidigerInnen

13.-15. Mai (Beginn: Freitag, 20 Uhr): Erste Schulung für LaienverteidigerInnen
Voraussetzung: Grundtraining (also das vom 6.-8.5. oder irgendein anderes Prozesstraining), Besuch eines Gerichtsprozesses (am 9. möglich), Wissensstand die Broschüre „Gerichtsverfahren“ bzw. Antirepressionsreader.

Ort: Projektwerkstatt in Reiskirchen-Saasen (Infos, Anfahrtsbeschreibung usw.: www.projektwerkstatt.de/saasen)

So long, Häftling OV 99/10/7 der JVA Gießen

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