Daniel – Knastpost: „Ich will Urlaub!“

JVA Darmstadt, 29. März 2011
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FREIHEIT FÜR _ALLE_ GEFANGENEN!

(Hört endlich auf wegzugucken, und „Probleme“ auszulagern!)

„Ich will Urlaub!“

.. steht auf der Postkarte mit Palmenstrand und Paddelbooten. Am Horizont hinter dem idyllischen Bungalowdorf im Grünen steht der Berliner Fernsehturm, so als gehöre er dahin.
„… denn hier lebt es sich wie im Gefängnis in ständiger Angst vor Kontrollen, Abschiebung …“. so die Initiative „Papiere für alle“ auf der Rückseite. Beschrieben ist sie in unheimlich gleichmäßiger und liebevoller Schrift, als hätte sich der Mensch ganz besondere Mühe gegeben, mit den Worten, dass ich „total fiese Zensur-Wachtmeister_innen“ hätte, wenn sie mir die mitgeschickten Artikel zur Aktion am AKW Biblis – das als eines der sieben ältesten D-Lands endlich vom Netz ist! – nicht aushändigen würden. Vielen, vielen Dank dafür, ich habe mich unsäglich darüber gefreut und schon einige weiter verschickt (Briefumschläge und anderes Beklebte behalten sie übrigens ein, weil da könnte nämlich Psst! darf ich nicht verraten drunter sein. Bei Postkarten sind sie glücklicherweise inkonsequent und schneiden nicht die Ecke ab. Also alles nur Farce. Die Zeit zum Abweichen nehmen sie sich dann doch nicht 🙂

Gestern habe ich ganz viele Postkarten aus Nordeutschland mit tollen Motiven wie der AOL-Arena, der Speicherstaat HH, der Funktionsweise von Ebbe und Flut, dem vom Krieg zerstörten Nürnberg und wie es heute wieder aussieht, einer Lok von Maffei (heute mit Kraas Waffenproduzent und -exporteur) von 1930 mit Elektrik von Siemens (ebenso!) und der unheimlich wichtigen Info „Vattenfall kann tödlich sein“ mit dem AKW Krümmel im Hintergrund – dies ist „eines der gefährlichsten deutschen AKW. Der Siedereaktor hat baubedingte Sicherheitsdefizite und einen besonders dünnen Sicherheitsbehälter, der bei einer Kernschmelze innerhalb von Minuten zerstört würde. Ende Juni 2007 kam es zu einem Trafobrand – Rauchgas drang in die Leitwarte – bei der Schnellabschaltung traten Unregelmäßigkeiten auf.“ Abschalten. Sofort. Sonst knallt’s. … Kapiert?

Wie ihr seht, habe ich Unterstützung von Hamburg bis Freiburg und fühle mich keineswegs allein oder unglücklich. Nur fehlt mir etwas sinnvoller Input von draußen. Das wenige von hier drinnen, was zu berichten ist und dem, was ich von draußen per Radio mitbekommen habe, steht in einer „winzigen Knastzeitung“ vom 27. März 2011 (hoffentlich auch bald auf umseitig oben angegebener Website.)

Heute morgen habe ich aus dem Fenster geschaut und gedacht: „Eigentlich geht es mir doch viel besser als den meisten da draußen. Ich kann mich auf’s Fensterbrett setzen und die Sonne genießen. Einmal am Tag gibts einen Tellem mit Essen (vegan, convi), Brot und zwei Mal sogar 0,5 l Heißwasser. Ich werde in Ruhe gelassen und muss keine Miete zahlen. Der Staat gibt im Gegenteil sogar mehr als 150 € am Tag für meine Unterbringung aus und erlässt mir sogar 15 € meiner „Strafe“. Dennoch freue ich mich auf meine nächsten Aktionen! Die Kunst des Lebens ist es eben, immer das beste draus zu machen 🙂

Auf bald! (vielleicht bei der anarchistischen Buchmesse am 9./10. April in Mannheim)

Daniel

Noch mal Danke für all die Unterstützung!

Die Proletarier haben nichts zu verlieren als ihre Ketten. Die Selbstorganisierten nur ihre Zeit.

Alles Gute zum 79. und viel Kraft weiterhin, lieber Opi!
Nächstes Jahr feiern wir wieder zusammen!!!

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